+ ÖPNV GRAZ (Straßenbahn) - Sessellift Plabutsch (197x stillgelegt) +++
    Die Geschichte zum Sessellift Plabutsch finden sie hier.  
 

Keine zehn Minuten von der Haltestelle "Volksschule Gösting" der Buslinie 40 (ex Straßenbahnlinie 3) entfernt liegt der Marktannerweg. Dieser äußerst steile Weg führt uns zu einem Stück Alt-Graz, das seit nun mehr als 35 Jahren dem Verfall preisgegeben ist - der Sessellift Plabutsch.

Aufnahme 28.12.2009

 
 

Hinter einem Linksbogen - im Wald etwas versteckt - liegt die Talstation.

Aufnahme 28.12.2009

 
 

Der Lift wurde am 01.05.1954 um 10:00 eröffnet. Am ersten Wochenende wurden bereits über 2000 Fahrgäste befördert.

Aufnahme 28.12.2009

 
 

Bis zum Ostermontag, den 2. April 1956, waren es über 220 000. Kurz nach 17:00 wollte eine körperbehinderte Dame in der Bergstation zusteigen.
Dazu wurde die 1. Bremse (Vorgelege-Bremse, der Aufbau ähnelt  einer Autobremse mit Bremsbacken, die um das Rad greifen) betätigt. Dieses Magnetbremse setzt automatisch ein, wenn die Geschwindigkeit 10 % der Normalgeschwindigkeit überschreitet.

Der Lift blieb für kurze Zeit stehen, geriet daraufhin aber wieder in Bewegung und beschleunigte innerhalb weniger Sekunden auf das Fünffache seiner Normalgeschwindigkeit. Die Sessel rasten dabei 100 m talwärts. Dabei wurden zwei Insassen des Lifts bei der Talstation gegen die rechts im Bild sichtbaren Säulen geschleudert und schwer verletzt.

Aufnahme 28.12.2009

 
 

Zwei andere Insassen konnten kurz vor bzw. in der Talstation noch rechtzeitig abspringen und kamen so mit leichten Verletzungen davon.

Die für solche Situationen gedachte 2. Bremse (Fallgewichtsbremse, es handelt sich dabei um eine mechanische Bremse) sollte bei einer Abweichung von 15 % der Normalgeschwindigkeit automatisch einsetzen - auch sie versagte - vorerst. Beide Bremsen waren an einen Geschwindigkeitsmesser gekoppelt und sollten so automatisch einsetzen. Bei den Untersuchungen nach dem Unglück stellte man fest, dass dieser funktionsuntüchtig war.

Der für den Sessellift zuständige Betriebsleiter, der fünf Jahre zuvor bei der Schöckelseilbahn AG tätig gewesen war, hatte die Anlage erst am 31.03.1956 nach Überprüfung übernommen.
Er befand sich zum Zeitpunkt des Unglücks 30 m von der Bergstation entfernt. Als er die zweite Bremse mit den Händen ziehen wollte bemerkte er, dass sich die Bremse nicht im funktionstüchtigen Zustand befand, da eine Kette nicht eingehängt war. Nachdem er dieses korrigiert hatte blieb die Anlage abrupt stehen - zu rasch.

Da der Lift nur talwärts belastet war, stoppte die Anlage ruckartig, wodurch das Seil talwärts aus der Stütze 9 nahe der Bergstation ausgeklinkt wurde.
Zwischen den Stützen 8 und 9 wurde ein Mann durch das Auf- und Abschaukeln des Seiles aus seinem Sessel geschleudert, stürzte 5 bis 10 m in die Tiefe und landete kopfüber auf dem Felsboden. Er erlag seinen schweren Kopfverletzungen kurz nachdem er ins Krankenhaus eingeliefert wurde. Bei den späteren Untersuchungen stellte sich heraus, dass sich die Sicherheitseinrichtungen an den Sesseln bei ruckartigen Bewegungen von selbst öffnen können!

Als Ursache des Unglücks wurden grobe Wartungsfehler bei der Liftanlage festgestellt.
Da die erste Bremse einem natürlichem Verschleiß unterliegt, hätte diese nachgestellt werden müssen. Bei der zweite Bremse wurde festgestellt, dass sie falsch geschmiert und das der Geschwindigkeitsmesser fehlerhaft war.

Zudem kam die Frage auf, wieso das Landesbauamt bei der Kommissionierung der Anlage keine Bremsproben bei einseitiger Belastung durchgeführt hat. Nach dem Unglück wurde dieser Belastungstest mit talseitiger Belastung durchgeführt. Dazu wurde auf jeden talwärts fahrenden Sessel ein Sandsack, der dem Durchschnittsgewicht eines Fahrgastes entspricht, geladen.
Bei 20 belasteten Sesseln blieb die Anlage nach Betätigung der ersten Bremse sofort stehen, bei 30 jedoch nur kurz und geriet daraufhin sofort wieder unkontrolliert in Bewegung, sodass die zweite Bremse händisch betätigt werden musste.

Aufnahme 28.12.2009

 
 

Ein Blick auf die Theke des Buffets. Der Raum befindet sich im 1. Stock des Gebäudes und wird über eine Treppe auf der Nordseite außerhalb des Gebäudes erreicht.

Aufnahme 28.12.2009

 
 

Die zum Buffet gehörende Eistruhe wurde nie entfernt und liefert Zeugnis über die high-tech Gefriertechnologie der 1950er.

Aufnahme 28.12.2009

 
 

Rechts vom Buffet befindet sich der Zugang zur Kassa und zum (nicht mehr existenten) Sessellift.

Aufnahme 28.12.2009

 
 

Ein anderes Bild dazu.

Aufnahme 28.12.2009

 
 

Ein näherer Blick zur Kassa.

Aufnahme 28.12.2009

 
 

Der Zugang zum Sessellift wurde durch rot markierte Pfeile und "Fußabdrücke" kenntlich gemacht.

Aufnahme 28.12.2009

 
 

Auch hierzu ein näheres Bild.

Aufnahme 28.12.2009

 
 

Ein Blick in die Gegenrichtung.

Aufnahme 28.12.2009

 
 

Die Südseite der Talstation.

Aufnahme 28.12.2009

 
 

Der Bereich vor der Station ist längst überwuchert. Die Trasse selber ist auch aus größerer Entfernung in der Landschaft noch gut zu erkennen.

Aufnahme 28.12.2009

 
 

Der Personaleingang zum Buffet.

Aufnahme 28.12.2009

 
 

Der Ausgangsbereich der Talstation.

Aufnahme 28.12.2009

 
 

Hunderttausende von Fahrgästen hat der Sessellift auf den Plabutsch hinauf- und auch wieder herunterbefördert.
Die Aussicht auf die Stadt vom Plabutsch herunter ist einzigartig, besonders nachts, wenn man glaubt man könne die Lichter der Großstadt mit den Händen erfassen.
Eine Faszination, die auf dem Schloßberg in dieser Form nicht begreifbar ist.

Aufnahme 28.12.2009

 
 

Das Bild zeigt den Zugang zum Raum mit den elektrischen Sicherungen.

Aufnahme 28.12.2009

 
 

Obwohl das Gebäude nun seit fast 40 Jahren der freien Witterung ausgesetzt ist, zeigt es sich in einem erstaunlich guten Zustand.

Aufnahme 28.12.2009

 
 

Der Zugang zu den Toiletten.

Aufnahme 28.12.2009

 
 

Das Hinweisschild für den Aufgang zum 1. Stock, wo sich das Buffet, die Kassa, und die Liftanlage befand.

Aufnahme 28.12.2009

 
 

Die Talstation von Nordosten her betrachtet.

Aufnahme 28.12.2009

 
 

Seite aktualisiert am Freitag, 29. April 2011

 

zur Startseite von www.public-transport.at - Frameset nachladen